The History of House & Techno | ||
Die Geschichte aus der Sichtweise des Jahres 1994
"Techno - über Urheberschaft, Roots, Bedeutung und Definition dieses Terminus gibt es zahlreiche unterschiedliche Theorien. Tatsache ist, daß der Terminus Techno in unterschiedlichen Zeitepochen für unterschiedliche Arten von Musik verwendet worden ist. Der Ursprung des Wortes ist wohl bei den Soundpionieren Kraftwerk zu suchen, die bereits ab den frühen 70er Jahren vollsynthetische Musik kreierten. Techno stand für Musik, die ausschließlich mit Computern und nicht mit herkömmlichen Musikinstrumenten hergestellt wurde. So gesehen ist heutzutage angesichts moderner Studiotechnik ohnehin jede Art von Musik "Techno", sogar die computergestützte Rockproduktionsplatte, deswegen sei als Hilfsdefinition die Anforderung erlaubt, daß Techno nicht nur mit Computern oder anderen synthetischen Instrumentarien hergestellt wird, sondern deren exclusive Soundmöglichkeiten wahrnimmt.
In den 80er Jahren gab es kontinentaleuropäische Musikbewegungen, die heute Industrial, Electro, Synthipop oder Electronic Body Music genannt werden, die sich selbst aber Techno nannten. Deutlichster Beleg in der Gegenwart ist der 1984 gegründete [...] Techno-Club Frankfurt, der [...] permanenter Tanztempel und Kultstätte der Technobewegung ist.
In der zweiten Hälfte der 80er Jahre nannte sich eine Detroiter Dance-Musik Variante ebenfalls Techno. Diese bezog sich im Sinne der Forderung nach neuen computergenerierten Tönen ebenfalls auf Kraftwerk, verarbeitetet die Einflüsse und Rhythmen der Chicagoer House Musik, die um 1986 entstand, weiter. Acid Hous kam als massiver Trend 1987/88 als technologische Fortentwicklung aufgrund neuer Instrumente (Roland 303 und 909) ebenfalls aus den USA und erreichte mit Zeitverzögerung ein Jahr später England, wo in jenen Tagen die ersten großen Raves zelebriert wurden. In Kontinentaleuropa war zu dieser Zeit Trend der Stunde New Beat, eine diskothekentauglichere Version der Electric Body Music.
1990 war das Jahr, in dem die Fusion stattfand und in dem die Techno-Revolution, wie wir sie heute kennen, begann. Der amerikanische House Groove und die kontinentaleuropäischen Techno Sounds fusionierten zu einem neuen Stil: Technohouse. Dieser Stil wurde weltweit die treibende Musikrichtung der 90er Jahre und um sie herum entstand die relevante Jugendkultur unserer Zeit.
Der Begriff Technohouse setzte sich nicht durch, man redet von Techno oder von House (wer klassische House Musik meint, sagt dies meist dazu), obwohl hierzulande oft dasselbe gemeint ist."
aus dem Inlay des Samplers "House of Techno Vol.1", ©1994 Virgin Schallplatten GmbH
Heutige Sichtweise
Wenn man sich heute die Musikrichtung Techno anschaut, so kann man feststellen, daß die Vielfältigkeit stark zugenommen hat. Die Musik hat sich weiterentwickelt und fest etabliert. Dieses wird in den Musikstilen, die sich dieser Einleitung anschließen, deutlich. Sie stellt natürlich nur ein Auszug dar und zeigt die wichtigsten Trends auf.
2004-09-25
House Music | ||
Geburt: Anfang der 80er in Chicago & New York
Begründer: Ron Hardy, Frankie Knuckles & Larry Levan
1.Platte: Jesse Saunders "On And On" 1981
House Music ist die Musik, die 1980 in Chicago 'down at the house' - dem Warehouse - gespielt wird. Dort legt der New Yorker DJ Frankie Knuckles eine eigentümliche Mischung aus Disco, Soul, Funk, Euro-Disco und monotonen Rhythmus-Tracks auf, die zu einem einzigartigen, endlosen Musikmix verschmelzen, wie man ihn nie zuvor erlebt hatte. Grundlage der House Music ist das Zusammenspiel von Viervierteltakt, Bassline und immer wiederkehrenden, einfachen Gesangsschnipseln. DJs werden zu Musikern, Remixern, Produzenten und mit "Love Can't Turn Around" von Farley 'Jackmaster' Funk & Darryll Pandy startet House Music 1986 seinen Triumphzug um die ganze Welt. Heute ist House neben Techno das am weitesten verbreitete Genre der Dance Music.
DJs 2003: Tom Novy, Roger Sanchez, Phil Fuldner, Moonbootica, M.A.N.D.Y.
Clubs 2003: Dockland Münster, M1 Stuttgart, Tiefenrausch Köln, Room One.O.Six Darmstadt
| House-Stil | Beschreibung |
|---|---|
| Deep House | House-Stil New Yorker Prägung mit starkem Souleinfluss (z.B. Barbara Tucker, George Morel). Heute auch oft für gefühlvolle, instrumentale House Music gebraucht (z.B. Guidance Records Chicago, aber auch Steve Bug aus Berlin). |
| Garage | Vorläufer des Deep House. Benannt nach dem legendären Club Paradise Garage in New York mit DJ Larry Levan - zeitgleich mit dem berüchtigten Studio 54 der Inbegriff des Disco-Nightlife. Garage-Sound ist rhythmusbetont, soulful und sublim. |
| Acid House | Charakteristisch ist der blubbernde Sound der Acid-Tracks, der klingt wie "flüssige Energie". Passend dazu: Trillerpfeifen, weiße Handschuhe und Smilies. Erfunden: 1986 in Chicago; auf die Spitze getrieben: 1988 in England; vergessen: nie. Helden der Nacht: Phuture, D-Mob, Kid Paul. |
| Hiphouse | Mix aus House-Rhythmus und HipHop-Raps. Kommt 1989 auf mit Tyree Cooper, Deskee und den Beatmasters. Feiert eine Renaissance 1997, als der New Yorker DJ Jason Nevins den alten Run-DMC-Track "It's Like That" neu auflegt. |
| UK Garage / 2Step | Mischung aus souligen R&B- und House-Elementen, Ragga-Einflüssen und langsamen Breakbeats mit Ursprung im Londoner Süden. Ob als Speed Garage, 2Step oder UK Garage erfährt dieser Sound regelmäßig in leicht abgeänderter Form einen neuen Hype. |
| Progressive House | Wird oft für House Music auf der Grenze zum Trance verwendet. Höhere Geschwindigkeit (über 130 Beats per Minute), Trommelwirbel, Streicher und poppiger Gesang sind nicht selten. Der Begriff wird paradoxerweise aber auch für das genaue Gegenteil gebraucht, also für minimale, rhythmuslässige Musik, die auf kitschige Elemente weitestgehend verzichtet. |
| Disco House | Ursprünglich mal wieder in Chicago um 1995 losgetreten, schießt diese Mischung aus modernen House-Rhythmen und alten Disco-Samples spätestens mit Daft Punk in alle Hitparaden. Variationen hiervon werden auch mit French House und Filter-House bezeichnet. |
| Latin House | Wenn der Sommer kommt, kommen die Latino Beats. Spätestens seit "Samba Di Janeiro" tanzt die House-Gemeinde zu den rassigen Klängen aus Brasilien. Aber auch generell lateinamerikanisch angehauchte Rhythmen, verbunden mit spanischen Gitarren und Jazz-Einflüssen sind immer wieder zu hören. Das Maß der Dinge: Die Masters At Work aus New York. |
| Tribal House | Seit Anfang der Neunziger immer wiederkehrender Musiktrend, bei dem afrikanische Rhythmen im Vordergrund stehen. Das anfangs monoton wirkende Zusammenspiel von Schlagzeug und Percussion zielt auf die Urinstinkte und führt nicht selten zu wilden, sehr körperbetonten Tanzszenarien. Protagonist: Danny Tenaglia. |
Techno | ||
Geburt: Mitte der 80er in Detroit
Begründer: Juan Atkins, Derrick May und Kevin Saunderson
1.Platte: Juan Atkins "No UFOs" 1985
Als elektronisches Gegenstück zum erdigen House Sound findet Techno Ende der Achtziger über Sheffield und Berlin seinen Weg in die europäische Musikkultur. Die rohe Kraft und die teils abstrusen Sounds von Tracks wie "LFO" (LFO) oder "Mentasm" (Joey Beltram) stellen alles bisher Dagewesene in den Schatten. Musiker versuchen jetzt nicht mehr, konventionelle Instrumente elektronisch nachzuahmen - Elektrizität wird hörbar gemacht. Pure Energie kommt plötzlich aus den gigantischen Lautsprechern. Statt im Glanz und Glamour der Nobeldiscotheken wird nun in dunklen, nebelverhangenen Kellern zu zuckendem Stroboskoplicht getanzt. Mit der Loveparade in Berlin und gigantischen Rave-Spektakeln rückt Techno ins Licht der Öffentlichkeit. Techno-DJs wie Sven Väth und Westbam werden zu Idolen einer neuen Generation. Techno-inspirierten Popstars wie Scooter und Aquagen steht derweil ein lebhafter Underground entgegen, der neben dem immer wiederkehrenden Trend zur Reduktion (Minimalismus) die Erlösung in sogenanntem "Schranz" sucht - verzerrtem und monotonem Techno mit hohem Percussionanteil. Die Helden der Nacht heißen hier DJ Rush, Monika Kruse und Chris Liebing, die scharenweise die vorwiegend jüngeren Technofans anziehen.
DJs 2003: Sven Väth, Adam Beyer, Paul Kalkbrenner, DJ Murphy, André Galuzzi
Clubs 2003: U60311 Frankfurt, Distillery Leipzig, Airport Würzburg, Neue Heimat @ Prag Stuttgart, Polar.tv Berlin
Minimalismus | ||
Geburt: Mitte der 90er Jahre als Intelligent Techno
Begründer: Basic Channel, Richie Hawtin, Robert Hood, Dan Bell
Die Musik war immer eine Entwicklung der Wellenbewegungen. Wie Yin und Yang ziehen Zeiten mit harten und bombastischen Arrangements unweigerlich eine Gegenbewegung nach sich, die ihr Heil in der Reduktion von Klängen und musikalischen Elementen sucht. So folgt der Eskalation von Techno-House und Rave Music verbunden mit einer zunehmenden Kommerzialisierung Mitte der Neunziger Jahre die Hinwendung vieler Technoproduzenten zu monotonen Klangstrukturen, die zwar mit sehr wenigen Elementen auskommen, aber dennoch eine enorme Klangdichte und Dynamik erreichen. Aus den damaligen Zentren Detroit, Sheffield, Berlin und Köln erobert ein Blend aus Techno, Elektronik und Dub die Dancefloors. Gesang und Samples sind verpönt. Auch im Jahre 2003 formiert sich wieder ein neuer Minimalismus in Deutschland. Nach Electroclash und Techno-Pop setzen auf der Grenze von Techno und House altgediente DJs und junge Talente wieder auf ´weniger ist mehr´. Stripped down to the groove. Der Track moduliert, entwickelt sich, zieht den Hörer in einen Sog der Rhythmen, bis er gefangen ist, im Strudel der Musik.
DJs 2003: Kiko, Ellen Allien, Akufen, Jake Fairley, Miss Dinky
Clubs 2003: WMF Berlin, Studio 672 Köln, Click Hamburg, Centrum Erfurt, Club E im Lagerhaus Bremen
Trance | ||
Geburt: Anfang der 90er in Frankfurt/M. und Berlin
Begründer: Paul van Dyk, DJ Dag, Cosmic Baby, Jam&Spoon, Resistance D.
Dem rohen, industriellen Sound der frühen Techno-Jahre folgt sehr bald die Sehnsucht nach der Rückkehr der Harmonien und Melodien. Als DJs sind es vor allem Sven Väth und Dag in Frankfurt/Main und Paul van Dyk von Berlin aus, die Trance Music populär machen. Durch die Hinzunahme von Gesang findet dieser zuvor sehr getragene Sound in der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre Eintritt in den Mainstream-Pop und ist die wohl populärste Variante der Dance Music. Heute sind es DJs wie ATB, Quicksilver, Blank & Jones und nach wie vor Paul van Dyk, die diesen Sound hinaus in die Welt tragen. Varianten sind Hardtrance, Acidtrance, Goa bzw. Psychedelic Trance und Hardstyle, eine Kombination aus rasantem Hardcore-Tempo und Trance-Sounds.
DJs 2003: Blank & Jones, ATB, Paul van Dyk, DJ Tiesto
Clubs 2003: Tunnel@Front Hamburg
Electro | ||
Geburt: Anfang der 80er in Düsseldorf, New York und Detroit
Begründer: Kraftwerk, Afrika Bambaataa und Juan Atkins
Der breitere Erfolg von Electro Music beginnt mit Kraftwerks musikalischem Science.Fiction-Pop auf dem Album "Computerwelt" von 1981. Afrika Bambaataa vereinigt diesen voll-synthetischen Rhythmus mit schwarzem Funk à la George Clinton zu Electro-Funk - die Mutter des HipHop. In Florida wurde die Variante Miami Bass gepflegt, und in Detroit schuf Joan Atkins als Cybotron mit seinen Electro-Visionen das Fundament von Techno. Synthie-Pop von Bands wie Depeche Mode und Erasure sowie die in Belgien aufkommende Welle der härter klingenden Electronic Body Music (EBM) von Front 242 und Nitzer Ebb breitet sich ebenfalls über die ganze Welt aus. Ende der Neunziger erhebt sich Elektro als neuer Retro-Trend in der Dance Music. DJ Hell, Miss Kittin, Anthony Rother sind die Helden des Tages. Von New York aus streckt eine als Electro-Clash bezeichnete Variation mit stärkerem Disco-Einfluss seine Fühler über den großen Teich. Derweil entwickelt sich in Deutschland eine neue Form von Electro-Pop. Bands wie 2Raumwohnung, Sono und Lexy & K-Paul erschaffen ihren eigenen Electro-Sound und scheuen auch nicht vor deutschen Texten zurück. Und wieder entsteht davon losgelöst eine musikalische Gegenbewegung, die abstraktere Wege der Electro-Ästhetik beschreitet. Björk, Aphex Twin oder Mouse On Mars loten die Grenzen der Musik aus und haben auch damit Erfolg.
DJs 2003: Legowelt, Westbam, Wolle XDP, John Starlight
Clubs 2003: Villa Traunstein, Chism Club Duisburg, WMF Berlin
Breakbeat | ||
Geburt: Anfang der 90er Jahre in London
Begründer: A Guy Called Gerald, Altern8, Shy FX, Fabio, Grooverider
Das Zusammensetzen von Beatfragmenten zu neuen Rhythmen geht auf die frühe HipHop-Ära zurück, und mit immer billig verfügbarer Technologie wurde es immer einfacher, selbst Musik zu machen. In England kombinieren 1992 findige Produzenten den durch Labels wie Warp propagierten Bleeptechno mit Einflüssen aus Reaggae, Ragga, HipHop und Jazz. Hektische Beats, hochgepitchte Vocals und schnelle Pianos prägen die Musik der Hardcore-Ära - bestes Beispiel: 2 Bad Mice und der Rave-Sound von The Prodigy, aus der bald Jungle hervorgeht. Mit Goldies "Inner City Life" erlebt die Weiterentwicklung Drum&Bass seinen großen Durchbruch. Über die intelligenten Klangeskapaden eines Photek und Adam F, dem konzeptuellen Jungle von Squarepusher, dem Ambient Sound von LTJ Bukem und Omni Trio bis zum organischen Breakbeat-Soul von Roni Sizes Reprazent reicht die Palette. Fatboy Slim alias Norman Cook begründet die Fusion von Breakbeat und House mit deutlich langsamerer Geschwindigkeit. Das Ergebnis: BigBeat. Nachdem zwischenzeitlich dieser Trend zu bierlastiger Schunkelmusik verkommen ist, feiern funkige Beats im Housetempo momentan als NuBreaks eine Wiederauferstehung. Nach dem Erfolg von Kosheen und den Samba-lastigen Tracks aus Brasilien eine echte Bereicherung für die Szene.
DJs 2003: London Elektricity, SUV, Bryan Gee, Marky, Rawhill Crew, Rennie Pilgrem, B.L.I.M., Freq Nasty, Paul Arnold
Clubs 2003: C21 im Bastard Berlin, Phaze Club im MS Connexion Mannheim, Hard:Edged im Watergate Club Berlin, Space Place Frankfurt/M., Basswerk Sessions @Gebäude 9 Köln
Ska | ||
Geburt: Anfang der 60er Jahre in Jamaika
Neben den drei Wellen (waves) des Ska haben sich weltweit diverse Subkulturen gebildet. Dabei lehnt sich die Musik der ersten Welle Ende der Fünfzigerjahre an den US-amerikanischen Rhythm & Blues an. Rhythmisch ähnelt die Musik dem Offbeat. Aus dieser Musik bildete sich zuerst der Rocksteady, aus dem wiederum der Reggae entstand. Die Musik der zweiten Welle, dem sogenannten 2-Tone, wurde Ende der 70er Jahre neben dem Ska auch durch den New Wave und den Punk beeinflußt. Die Musik der dritten Welle wurde Mitte der 80er Jahre mit vielen musikalischen Elementen vermischt. Daraus entstanden beispielweise Ska-Punk, Ska-Core, Trad-Ska oder auch Latin Ska.
| Welle | Ska-Stil | Bands & Sänger |
|---|---|---|
| erste Welle | Jamaican Ska (auch Bluebeat) entstandene Stile:
| Prince Buster, Millie Smills (z.B. My Boy Lollipop, 1964), Laurel Aitken, Derrick Morgan, Desmond Dekker, The Israelites, The Maytals, Justin Hinds, The Wailers, Fats Domino, The Skatalites |
| zweite Welle | 2-Tone | The Specials, Bad Manners, Madness, The Selecter, The Beat |
| dritte Welle | Third Wave | The Toasters, New York Citizens, The Loafers, The Hotknives, The Braces, No Sports, Skaos, The Butlers, The Busters, NGOBO NGOBO, The Frits |
| neben der dritten Welle |
| Spanien: Ska-P Russland: Distemper, Leningrad Frankreich: Skarface Italien: Vallanzaska, Persiana Jones Deutschland: Rantanplan, Frau Doktor, The Ska'm'Peace, Ruffians Japan: Tokyo Ska Paradise Orchestra, Potshot |
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